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Präsentationen
oder die Kunst des Vortragens
Es gibt keine allgemeinen
Regeln, was einen „guten“ Vortrag ausmacht. Ein Politiker beachtet bestimmte
rhetorische Regeln, will er Leute für sich einnehmen, sie von seinem
Standpunkt überzeugen. Eine Wissenschaftlerin, die ihre neusten Erkenntnisse
an einer Konferenz präsentiert, geht ganz anders vor. Wir beschränken
uns auf einige Hinweise und Daumenregeln, wie Vorträge zu „Sachthemen“
aussehen könnten.
Aufbau eines Vortrages
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Der Titel eines Vortrages muss
aussagekräftig und informativ sein: Das Thema in wenigen Worten, sozusagen.
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Ganz wichtig: die ersten Minuten
eines Vortrages. Es gilt, die Aufmerksamkeit der Leute zu wecken. Und den
Zuhörenden sollte danach klar sein: worum geht es? in welchem Umfeld
steht das Thema? Was ist die Bedeutung des Themas wofür? Warum ist
das Thema wichtig? Und worum wird es genau im Vortrag? Dieses Vorgehen
wird „Zooming in“ genannt, in Anlehnung an den Einstieg in Filme.
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Eine andere gute Idee ist ein
Einstieg über einen „Anschauungsobjekt“, einen Gegenstand, der als
„Aufhänger“ dient. Bei Fibonacci-Zahlen könnte ein Tannzapfen
die Aufmerksamkeit wecken...
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Den eigentlichen Vortrag halten.
Die Rednerin kann sich vorstellen, sie erzähle den Leuten eine Geschichte.
Die braucht einen „roten Faden“, oder ihr Publikum schläft ein. Ein
guter Trick ist es, den Aufbau, den roten Faden, mit einfachen Fragen explizit
zu machen. Zu Beginn sind die Fragen noch allgemein, dann immer spezifischer.
Jede Antwort sollte die nächste Frage hervorrufen - so bleibt der
Zuhörer bei der Sache. Natürlich sollte der Aufbau fachlich korrekt
und logisch sein!
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Nicht zu viele Nebenbemerkungen!
Sich nicht in Details verlieren! Dinge erwähnen, die für einen
selbst interessant waren, aber eigentlich nicht zum Thema gehören,
hängt das Publikum ab. Es interessiert sich nicht für alle Details.
Es will nur das Wichtigste hören!
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Den Schlusspunkt setzen. Analog
zu dem „Zooming in“ kann jetzt das „Zooming out“ folgen. Zum Beispiel klar
und deutlich in ganz wenigen Sätzen das Wichtigste noch einmal wiederholen,
um so die „Message“ des Vortrages rüberzubringen. Der Redner, die
Rednerin bedankt sich vielleicht noch für die Aufmerksamkeit des Publikums
(wenn es ehrlich gemeint ist), und dann ist Schluss.
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Voraussetzung für
einen gelungenen Vortrag ist natürlich, dass man das Thema beherrscht
und weiss, wovon man redet. Sonst dürfte es schwierig sein, den Vortrag
logisch zu strukturieren. Ein Trick zu prüfen, ob man das Thema verstanden
hat: könnte ich es einem Primarschüler erklären? Könnte
ich in wenigen einfachen Sätzen das Wichtigste auf den Punkt bringen?
Eine weitere ganz wichtige Voraussetzung
ist, das Publikum so gut als möglich zu kennen. Das heisst, die ungefähren
Vorkenntnisse der Zuhörer kennen. Der Vortrag sollte unbedingt diesen
Vorkenntnissen angepasst werden! Sonst langweilen sich die Leute entweder
oder sind hoffnungslos überfordert.
Einsatz von Folien und Wandtafel
Die meisten Vorträge
unterstützen wir mit Folien und/oder Wandtafel. Was gilt es bei ihrem
Einsatz zu berücksichtigen? Fangen wir mit den Folien an.
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Die drei wichtigsten Anforderungen
für ihren Einsatz: sie sind
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übersichtlich gestaltet,
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einfach zu verstehen und
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notwendig für das Verständnisses
des Vortrags.
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Eine Folie sollte sich möglichst
auf eine Aussage beschränken. Es wäre eine schlechte Idee, quasi
„alles“ auf eine Folie zu packen. Eine Daumenregel besagt, nicht mehr als
etwa 7 Zeilen à 10 Wörter auf eine Folie zu schreiben. Und
der Sachverhalt sollte nicht zu komplex sein.
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Eine grafische Darstellung muss
in kürzester Zeit verstanden werden können. Aus dem Grund ist
es meistens besser, statt einer Tabelle voll Zahlen eine Grafik zu zeigen,
die das Wichtigste aus der Tabelle herausholt. Ganz allgemein: Ein (gutes)
Bild sagt mehr als tausend Worte!
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Folien im Querformat! So packt
man nicht zuviel drauf. Ausserdem ist die ganze Folie sichtbar, ohne dass
sie auf und ab geschoben werden muss.
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Wichtig für die Gestaltung:
eine grosse, gut leserliche Schrift wählen! Als Schrift empfiehlt
sich eine ohne viele Schnörkel, zum Beispiel Arial. Die Grösse
sollte mindestens etwa 5-6mm sein (bei Arial wäre das Schriftgrösse
22).
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Farben können helfen, eine
Folie übersichtlicher zu machen, die Aufmerksamkeit des Publikums
auf einen Punkt zu richten.
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Bei komplizierten Abläufen
kann man mehrere Folien übereinander legen, um das „Ablaufen“
zu verdeutlichen. Achtung: die Folien müssen übersichtlich bleiben!
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Gut ist es auch, für alle
Folien eine einheitliche Gestaltung zu wählen. So weiss die Zuhörerschaft
mit der Zeit, was wo ist.
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Wenn Text auf der Folie steht,
so sollte den Leuten genug Zeit gegeben werden, diesen zu lesen.
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Wieviele Folien in einem Vortrag?
Eine gute Richtlinie ist, pro 2 Minuten höchstens 1 Folie einzusetzen
- sonst ist der Vortrag eine reine Folienshow.
Welche Rolle spielt denn hier
der Computer?! Nun, viel wichtiger als der Computer ist die Gestaltung
und der richtige Einsatz der Folien. Die grundlegenden Regeln (grosse Schrift,
klare, einfache Folien, nicht zu viele Folien...) gelten für alle
Folien - egal, ob von Hand oder mit Computer erstellt. Im Gegenteil: der
Computer macht es einem viel zu einfach, schreckliche Folien zu erzeugen!
Man sollte sich hüten, tausend Schriftarten und -grössen und
diverse Farben zu verwenden, nur weil man es so einfach machen kann. Ein
blauer Farbverlauf im Hintergrund mit grüner Schrift hilft der Lesbarkeit
gar nicht...
Ein Folien-Vortrag kann durch
die Wandtafel ergänzt werden. Sie eignet sich zum Beispiel, wenn man
etwas vorrechnen muss - Schritt für Schritt, und nicht zu schnell.
Sie könnte auch dafür eingesetzt werden, die einzelnen Abschnitte
des Vortrages (zum Beispiel die Fragen, die durch den Vortrag führen)
immer sichtbar stehen zu lassen. Der Nachteil ist, das Publikum sieht beim
Schreiben nur den Rücken des Redners... Auch ist in größeren
Räumen Vorsicht hinsichtlich der Lesbarkeit geboten!
Aktion: den Vortrag halten!
Nach allen Vorbereitungen
gilt es, den Vortrag zu halten. Wie? Wenn der Vortragende alles abliest,
finde ich persönlich das sehr ermüdend. Am Besten finde ich es,
ein paar Stichwörter notiert zu haben. So kann man checken, dass man
nichts Wichtiges vergessen hat.
Oberstes Gebot: die gegebene
Zeit einhalten! Bei der Vorbereitung sollte die Zeit sorgfältig eingeteilt
werden. Man könnte sich zum Beispiel überlegen, wieviele Minuten
den einzelnen Folien gewidmet wird. Und da alle den Zeitbedarf immer wieder
unterschätzten: nur etwa 75-80% der gegebenen Zeit verplanen! So schafft
man es vielleicht, nicht zu lange zu reden. Merke: ein einige Minuten zu
kurzer Vortrag wird das Publikum positiv aufnehmen - es kann früher
gehen!
Ansonsten gibt es noch ein
paar weitere „Tips und Tricks“:
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Klare, einfache Sätze machen.
Dreifach geschachtelte Sätze gehen nicht gut ins Ohr. Dazu gehört
auch, nicht unnötig komplizierte Begriffe zu gebrauchen. Nur um ihrer
selbst Willen sollten Fachbegriffe oder Abkürzungen nicht verwendet
werden. Achtung: häufig haben wir bestimmte Fachbegriffe „im Blut“,
so oft haben wir sie gebraucht. Nicht aber unser Publikum!
-
Eine klare, genügend laute
Aussprache fördert das Verständnis stark. Ebenso hilft es sehr,
nicht zu schnell zu reden - auch wenn die Nervosität dazu verleitet.
Langsam reden gibt dem Redner mehr Zeit, seine Sätze vorzubereiten.
Auch eine Pause von einigen Sekunden ist nicht schlimm. Somit gibt es einen
Grund weniger, Vorträge abzulesen!
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Lebendige Sprache ist ein weiterer
Pluspunkt. Lautstärke und Rhythmus können variiert werden, um
einzelne Aspekte stärker zu betonen.
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Augenkontakt halten! Zu den
Leuten reden, nicht nur vor ihnen reden. Das wirkt!
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Etwas Gestik macht den Vortrag
lebendiger und hilft auch wieder, bestimmte Dinge zu betonen. Aber Achtung:
ein Tanz ist auch wieder nicht gefragt!
Diese Liste mit Tips&Tricks
ist bei weitem nicht vollständig, kann nicht vollständig sein.
Natürlich müssen diese „Daumenregeln“ immer der konkreten Vortrags-Situation
angepasst werden! Und nicht zuletzt ist es auch Geschmacksache, was einen
„guten“ Vortrag ausmacht. „Perfekte Vorträge“ gibt es nicht. Das heisst
für die Redner: relax...
Am Besten, Ihr beobachtet
die Vorträge, die Ihr täglich erlebt. Was gefällt Euch?
Was würdet Ihr anders machen? So könnt Ihr sehr viel auch aus
schlechten Vorträgen lernen... Auf jeden Fall ist Eure Phantasie und
Kreativität gefragt, um Eure Vorträge interessant zu gestalten.
Auch hier gilt: Übung macht den Meister... viel Spass also!
Quellen
Anholt, R.R. Henri. Dazzle
´em with style: the art of oral scientific presentation. W.H.Freeman
and Company. England, 1994.
Ein gutes, kleines Buch
mit vielen Beispielen aus dem Bereich Medizin, lebendig und anschaulich
geschrieben. Diese drei Seiten sind quasi eine Zusammenfassung der wichtigsten
Punkte des Buches!
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