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Ethikunterricht praktisch erleben

Ethik

Altern, Sterben, Tod. Mit diesem Thema beschäftigten sich die 10. Klassen am Gymnasium Ernestinum im Ethik-Unterricht. Dazu gab es im Herbst spannende Unterrichtsstunden. Diese wurden gestern fortgesetzt - auf dem Hauptfriedhof in Gotha.

Gotha. Friedhofsmeister Rainer König sind die Mädchen und Jungen nicht unbekannt, die gestern den Vormittag damit verbrachten, Grabmale zu säubern. Im Herbst hat er vor der Klasse gestanden und von seiner Arbeit erzählt - unter anderem von Kinderfriedhof, wo zum Leidwesen aller immer wieder Lieblingsspielzeuge und andere Dinge, die Eltern am Grab niedergelegt haben, gestohlen werden.

"Das hat die Schüler emotional sehr betroffen gemacht", erzählt Ethik-Lehrerin Bettina Müller. "So sehr manche mit dem Thema anfangs haderten, so intensiv beschäftigen sich die Schüler mittlerweile damit." Mittlerweile arbeiteten einige Schüler zu diesem Thema sogar ihre Seminararbeit, freut sich Bettina Müller.

Grabmale aus dem ersten Weltkrieg, die der Märzgefallenen sowie die Grabstätten aus dem zweiten Weltkrieg wurden gestern von den Mädchen und Jungen mit Seifenlauge und Wurzelbürste gesäubert. "Natürlich ist uns das eine Hilfe", sagt der Friedhofsmeister, "bei uns gibt es immer etwas zu tun."

Für die Schüler des Gymnasiums war es eine auch Begegnung mit der Geschichte. Auf dem Hauptfriedhof der Residenzstadt fanden beispielsweise lettische Zwangsarbeiter ihre letzte Ruhestätte, deren Baracke gegen Kriegsende von einer Bombe getroffen wurde.

"Sie kamen alle aus einem Ort und wurden nach Deutschland verschleppt", sagt Nina Karguth. Die Bürger aus ihrem Heimatort haben auf dem Gothaer Friedhof für sie einen Gedenkstein aufgestellt, weiß die Schülerin. Neben diesen Grabsteinen säuberten die Schüler auch die russischer und polnischer Zwangsarbeiter sowie jene von Soldaten und zivilen Bombenopfern in Gotha.

Die Schüler studierten bei ihrer Arbeit auch eifrig die Inschriften auf den schlichten Grabkreuzen. Der überwiegende Teil der Menschen, die hier begraben sind, ist nur wenig älter als 20 Jahre geworden. "Von diesem Alter sind wir gar nicht so weit entfernt", sagt Miriam Kollath. "Das macht schon betroffen." Wenn jemand in der Reihe der Soldatengräber drei oder gar vier Jahrzehnte lebte, nimmt er sich fast schon wie ein Methusalem aus.

Gegen Ende das Schuljahres wird Bettina Müller noch einmal mit Schülern der 9. und 11. Klassen zum Arbeitseinsatz auf dem Hauptfriedhof antreten, denn gestern konnte nicht alles geschafft werden, was anlag.

 

Klaus-Dieter Simmen / 19.05.11 / TA